Knietenbrink aus Münster sind so eine Band, die ich nur über eine Anfrage kennen lernte und mich gleich in ihr DIY-Album verliebte (Review hier). Da hatte ich dann auch richtig Bock auf ein Interview. Und das folgt hier.
1. So, fangen wir mal locker an. Wer seid ihr, wo kommt ihr her? Seit wann gibt es euch und warum sollte man euch kennen?
Also: Wir sind Knietenbrink und kommen aus Münster. Uns gibt es eigentlich bereits seit 2011, wir hatten nur aufgrund privater Dinge eine sehr lange Bühnenpause. Die Wahrscheinlichkeit uns zu kennen ist sehr gering, aber hey, wird vielleicht mal Zeit uns kennen zu lernen?
2. Die eine Frage, die mir seit eurer Anfrage auf den Lippen brennt ist: was ist ein knietenbrink? Ich hab das Wort rückwärts gelesen, bei Google eingegeben, die Silben vertauscht….
Ein knietenbrink ist ein seltenes Tier aus der Nähe von….Ne, nur Spaß. Die Herkunft des Namens ist nur sehr schwer zu erklären. Eigentlich auch nicht sehr spannend. Nur so viel: knietenbrink ähnelt einem typischen Nachnamen aus einer ländlichen Region des Münsterlandes. Wir haben anscheinend die Gabe uns Bandnamen auszudenken, die wenig Sinn ergeben. Wir haben schon in Bands gespielt die orangemalz, Gideschabonies oder Kellox hießen.

3. Euer Album Nach der ersten Euphorie ist nicht eure erste Veröffentlichung. Was kam bisher raus und worauf seid ihr am meisten Stolz?
Zuvor kamen zwei Alben raus, physisch beides auf CD. Die erste heißt „klammheimlich“ die zweite „kommt drauf an wie man es schreit“. Beide sind auf allen möglichen Streamingplattformen zu finden. Wir haben auch noch ein paar CDs über, falls Interesse besteht. 😉 Die meisten Menschen haben nur leider keinen CD-Player mehr. Stolz ist ein schwereres Wort….aber wenn wir uns entscheiden müssten, dann sind wir wohl darauf sehr stolz ein Album auf Vinyl veröffentlicht zu haben. Das hat uns sehr gefreut, dass es so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir sammeln selbst sehr gerne Platten, von daher war das schon ein kleiner Traum von uns. 100er Auflage, da bleiben dann hoffentlich nicht so viele über wie bei den CDs…
4. Das Album wurde DIY veröffentlicht. Hattet ihr bisher keine Labelambitionen? Was ist euch an DIY wichtig und sucht ihr derzeit eine Plattenfirma?
Naja, Wir hätten schon Interesse und Lust gehabt, das Album auf bzw. mit einem Plattenlabel zu veröffentlichen. Das hat sich nur leider nicht ergeben. Wir haben vielleicht zwei Handvoll Label angeschrieben und die wenigen Rückmeldungen waren dann immer: „wir suchen gerade nicht, viel Glück euch!“. Ehrlich gesagt waren wir da aber noch nie so ambitioniert das unbedingt machen zu müssen. Nur bei dem neuen Album haben wir uns gedacht, dass wir es selbst sehr sehr gerne mögen und es daher spannend finden, wie es andere Menschen bewerten, die uns bisher noch nicht kannten. Wir wollten halt ein bisschen mehr Reichweite schaffen und daher haben wir Label angefragt und eben auch Fanzines wie euch angeschrieben. Das soll ja jetzt auch nicht unser letztes Album bleiben, von daher schauen wir mal, was sich so ergibt.
5. Wie entstehen eure Songs und wie kommt ihr auf die Ideen?
Wir sind nicht so eine Session-Band, wo irgendwer ein Riff mitbringt und der Song wird drumherum gebastelt. Eigentlich bringen Carsten und jojo Songs mit, die die beiden vorher auf Holzgitarre geschrieben haben. Die gibt es dann auch immer schon mit Texten und einer relativ klaren Vorstellung, wo die Reise hingehen soll. Und trotzdem sind die Proben dann spannend, denn nicht selten wird aus den Songs dann doch noch etwas ganz anderes. Da schrauben wir dann gemeinsam dran rum. Beim Song ‚mit Fingern gekreuzt’ gibt es beispielsweise noch ne ganz andere Version. Die hatten wir sogar schon im Live-Set, hat aber niemand gemerkt!!!
6. Vergleiche mit Muff Potter, Turbostaat oder Captain Planet stellt ihr selbst her. Ich dachte auch recht schnell an Muff Potter. Fragen wir also einfach mal andersrum: was unterscheidet euch von den drei Bands, was ist euer Alleinstellungsmerkmal?
Ne ne, wir vergleichen uns nicht mit den Bands sondern wir sagen, dass Freunde dieser Bands vielleicht auch unsere Musik mögen könnten. Wir mögen die Bands ja auch und natürlich ist unser Songwriting da sicherlich auch beeinflusst. Es wäre aber anmaßend zu sagen, wir machen dieses wie Muff Potter oder jenes wie Captain Planet oder Turbostaat. Da sind wir meilenweit von entfernt, da wir das ja als reines Hobby betreiben und nur ein Bruchteil an Menschen erreichen, wie diese Bands es tun. Fun Fact: mit Muff Potter haben wir gemeinsam, dass wir nicht einmal 10km entfernt groß geworden sind. Wir kommen gebürtig auch alle aus dem „Umfeld von Rheine“.
7. Mit Woher diese Angst wird das Album eröffnet. Direkt ein Anti-Rassismus-Stück. Sehr schön! Erzählt mal was zum Hintergrund des Stückes.
Unsere Texte erzählen grundsätzlich keine Geschichten, sondern eher Beobachtungen, Gefühlslagen oder Vorstellungen. Wir sind alle vier männlich, ohne Migrationsvorgeschichte und in diesem Land geboren, daher haben wir in unserem Leben hier selbst kein Rassismus erfahren, aber beobachtet. Schon immer und natürlich in diesen Zeiten immer mehr. Und uns stellt sich dann die Frage, was geht in den Köpfen der Menschen vor, die rassistisch handeln? Woher kommt das eigentlich? Und wir glauben, dass da häufig eine Angst hinter steckt. Die Angst vor Veränderungen, die Angst vor den Dingen, die ich nicht kenne und vielleicht auch nicht erklären kann. In unserer Gesellschaft gibt es derzeit so viele Herausforderungen, dass es immer komplexer wird diese zu verstehen. Das schürt Verunsicherungen und es scheint so, dass einfache Antworten dann manchmal ausreichen. Einfache Erklärungen. Beispiel: ein psychisch kranker Mensch fährt mit dem Auto in eine Menschenmenge und bringt dabei Unschuldige um. Jetzt hat dieser Mensch vielleicht eine Migrationsgeschichte und schon entwickelt sich durch die Politik, die Medien und in den sozialen Medien die einfache Antwort: Ausländer sind gefährlich, Grenzen dicht! Das scheint eine einfache und simple Antwort für viele zu sein, um mit dieser Verunsicherung umzugehen und es schafft Pauschalverurteilungen und weiteren Rassismus. Das diese Person eine psychische Erkrankung hatte, die ihn wohl letztendlich zu dieser Tat gebracht hat, spielt dann meistens keine Rolle mehr. Diese Antwort wäre wahrscheinlich zu komplex, denn sie zieht weitere Fragen nach sich: was ist die Ursache der Erkrankung? Wurde dieser Person optimal geholfen? Und so weiter. Das wird die schwierige Aufgabe der nächsten Jahre in unserer Gesellschaft und für die Politik sein: den Menschen, die sich immer mehr rassistisch und rechts außen orientieren Denkalternativen und Antworten zu bieten, die sie verstehen können weil sie leicht sind und wodurch sie ihre rassistische Haltung selbst hinterfragen.
8. Eines meiner Lieblingslieder ist tatsächlich Jetzt wieder allein, auch wenn ich nicht so genau weiß, worum es im Text geht. Was meint ihr damit?
‚Jetzt wieder allein‘ ist auch so ein Song, der sich ursprünglich ganz anders angehört hat. Wie gesagt, unsere Lieder erzählen keine Geschichten, sondern bieten im Idealfall Raum für eigene Interpretationen. Irgendwas wird dich ja dazu gebracht haben, dass dieser Song zu einem deiner Lieblingslieder auf dem Album wurde. Vielleicht die Melodie, vielleicht eine Songzeile, vielleicht was ganz anderes? Die Songtexte passieren bei uns einfach. Wir setzen uns nicht hin und sagen: jetzt ein Song über Einsamkeit. Zuerst kommt die Musik, die Melodie und dann kommen Textfragmente. Und so war das auch bei jetzt wieder allein. Vielleicht beschreibt es das Gefühl irgendwo anzukommen, Teil von etwas zu sein und dann doch zu realisieren, dass sich dadurch nichts ändert, dass man sich eigentlich was ganz anderes vorgestellt hat. Und das man dann letztendlich wieder alleine ist, zumindest im Kopf. Aber vielleicht sehen oder verstehen das andere Menschen ganz anders und dann ist das genauso richtig. Das finden wir ja gerade spannend!
9. Insgesamt sind eure Texte etwas kryptisch. Was braucht für euch ein guter Text?
Songtexte haben nur eine begrenzte Anzahl an Zeilen und jede Zeile sollte im Idealfall so formuliert sein, dass man sie gerne singen und erzählen möchte. Zum Songwriting und zu den Texten haben wir ja in den letzten beiden Fragen schon einiges geschrieben. Ob die Texte jetzt kryptisch sind, muss wahrscheinlich auch jede Person für sich beurteilen. Sie erzählen auf jeden Fall nicht eine Geschichte, mit Spannungsbogen und Happy End. Wir hoffen trotzdem, dass sich jede Person die unsere Lieder hört bei den Songs etwas denkt, eben etwas rein interpretieren kann. Das man sich nicht fragt, was das denn jetzt alles überhaupt bedeuten soll? Das die Sätze und Zeilen im einzelnen keinen Sinn ergeben, oder so.
10. Kommt ihr oft aus Münster raus oder spielt ihr lieber dort die Läden tot?
Wir kommen leider zu wenig aus Münster oder dem Münsterland raus. Das wollen wir natürlich gerne ändern, daher verschicken wir fleißig Mails in die digitale Welt und versuchen uns ein wenig zu connecten. Da wir die Band aber nur als Hobby machen und wir alle Familie und Jobs haben, wird das auch alles überschaubar bleiben. Trotzdem sind wir natürlich bereit einige Kilometer zu fressen, wenn es eine spannende Auftrittsmöglichkeit für uns gibt.
11. Wie entscheidet ihr, wer den jeweiligen Gesangspart übernimmt?
Das ergibt sich wenn wir die anfangs neuen Songs ein paar Mal gespielt haben. Je nachdem, wer den Song geschrieben hat, singt dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Strophen oder so, aber das kommt auch immer drauf an. Gerade das macht ja auch Spaß, die Gesangslinien teilweise so ausschmücken zu können. Allerdings wird es wohl eher nicht vorkommen, dass wir wirklich dreistimmig singen, also jeder eine andere Tonlage… so filigran sind wir jetzt nicht aufgestellt. 😉
12. Beliebte Spiele 1: Assoziationsblaster, nicht lange nachdenken und einfach schnell hinschreiben, was ihr denkt:
– Away from Life – Danke für euren Support! Wir lesen gerne was ihr schreibt.
– Münster -> Hometown
– NO°RD -> Haben ja auch ihre Wurzeln zum Teil hier. Wir kennen uns aber nicht. Könnte man ja mal ändern? Wir machen gerne den Support!!!
– El Bosso & die Ping-Pongs -> Ska-Urgesteine aus dem Hometown. Die Konzerte machen schon Bock.
– Idle Class -> War eine super Band und kein Mensch weiß genau, wie viele Folgebands daraus entstanden sind. Wir durften vor kurzem Leaves supporten, die bestehen auch zu 100% aus Idle Class-Mitgliedern und sind wirklich wunderbar. Und nicht zu vergessen Swan Songs, also da kommt nur gutes aus der Band.
12. Beliebte Spiele 2: Sekt oder Selters?
– Frei.Wild oder Onkelz? -> Brechen oder Durchfall?
– Ärzte oder Hosen? -> Beide Bands haben uns auf die ein oder andere Weise begleitet und geprägt.
– Bier oder Milch? Bier
– Muff Potter oder Turbostaat? Zu schwer zu beantworten. Vielleicht die alten Muff Potter.
– Ox oder Plastic Bomb? Ein kleines Mü mehr Ox.
13. So, eine fiese Frage habe ich noch. Tatsächlich sollte ich diese Woche ein interview mit Drei Meter Feldweg machen, jetzt hab ich aber euch noch auf meiner To-Do-Liste, deshalb: Welche Frage würdet ihr Drei Meter Feldweg stellen und wie würdet ihr sie beantworten? Je nachdem wie schnell ihr das Interview beantwortet, werde ich sie der Band auch stellen.
Welchen Song sollte eine Band wie knietenbrink von 3 Meter Feldweg unbedingt covern?
14. So dat wars, die letzten Worte gebühren euch.
Vielen lieben Dank euch für den tollen Support den ihr uns bereitet. Das macht wirklich Spaß! Wir drücken uns selbst die Daumen unsere „Reichweite“ etwas zu vergrößern, so dass wir mal das Münsterland verlassen können und uns irgendjemand irgendwo bei einer Show sieht und vielleicht vorher dieses Interview gelesen hat.